Kostenloses Busfahren in Walldorf - Wie kann es weitergehen?

In unserer letzten offenen Fraktionsrunde hat uns Harald Herzog, Projektmanager im IT-Bereich für ein großes Verkehrsunternehmen, einen Input zum Thema „kostenloses Busfahren in Walldorf“ gegeben. Wir wollten dieses Thema beleuchten, da die Kosten hierfür um ca. das sechsfache des ursprünglich vom Busunternehmen berechneten Betrags angestiegen sind. Aus unserer Sicht fehlt hierfür eine qualifizierte Verifizierung der Fahrgastzahlen.

Harald Herzog konnte uns durch seinen beruflichen Hintergrund wichtige Hinweise geben. Besonders interessant: Die Stadt Walldorf gibt für das kostenlose Busfahren pro Jahr pro Einwohner etwas mehr als 20€ aus. Vergleicht man dies z.B. mit dem kostenlosen Busfahren in der Innenstadt von Erlangen, gibt diese Stadt nur etwa 2,65€ pro Einwohner pro Jahr aus.

Schauen wir in unserem näheren Umfeld, finden wir auch interessante Beispiele: Die Gemeinde Sandhausen hat ein anderes Modell. Dort hat die Stadt einen 10-Jahres-Vertrag als Ortstarif mit dem VRN abgeschlossen: Für 36.000€ pro Jahr! So kostet die einfache Fahrt für alle Linien innerhalb von Sandhausen 1 € für Erwachsene und 70 ct für Kinder. Ursprünglich 2,10 €! Damit hat sich der Ticketpreis quasi halbiert. Man könnte also annehmen, dass Sandhausen bei einer vollständigen Übernahme des Ticketpreises mit ca. 70.000-80.000€ an Kosten pro Jahr rechnen müsste.

Wenn also eine Stadt wie Sandhausen, die, was die Einwohnerzahl angeht, in etwa mit Walldorf vergleichbar ist, eine Halbierung des Ticketpreises für 36.000€ pro Jahr erreichen konnte, wie kann es dann sein, dass in Walldorf für das kostenlose Busfahren im Jahr 315.0000€ anfallen?

Nach wie vor hat der VRN keine Verifizierung der Fahrgastzahlen vorgelegt. Die Stadt Walldorf hat in der letzten Sitzung des Gemeinderats zudem darüber informiert, dass der VRN nicht bereit ist, über den Ticketpreis nachzuverhandeln.

Wir sind uns sicher: Walldorf wird für das kostenlose Busfahren überbordend zur Kasse gebeten. Grundsätzlich finden wir das Angebot des kostenlosen Busfahrens sehr gut, aber: Nicht um jeden Preis. Wir werden einer erneuten Bewilligung unter diesen Konditionen nicht noch einmal zustimmen.

2025/26 werden die Linienbündel neu ausgeschrieben. Im Zuge dieser Neuausschreibung sollen Zählschranken in die Busse eingebaut werden, damit die Anzahl der ein- und aussteigenden Fahrgäste ermittelt werden kann. Aber auch hier bleiben Fragen offen: Wie wird sichergestellt, dass Besitzer einer Dauerkarte oder Zeitkarte, welche zwangsläufig miterfasst werden, bei der Berechnung für die Stadt Walldorf nicht einkalkuliert  werden ? Aus unserer Sicht wird auch mit Zählschranken keine belastbare Verifizierung erreicht. Und wir möchten uns nicht weiterhin in einer zahlenmäßig unsicheren Grauzone bewegen.

Wir halten es daher für überlegenswert, ob das Sandhausener Modell auch in Walldorf angewendet werden könnte. Man müsste auch nicht das 1€-Modell übernehmen, sondern könnte beispielsweise einen Selbstkostenanteil von 10ct pro Ticket ansetzen. Das wäre ein sehr geringer Betrag, den die Bürger selbst erbringen müssten und der Vorteil: So könnte sichergestellt werden, dass keine übermäßig hohen Fahrgastzahlen einfach angenommen werden.

Die Bezeichnung „kostenloses Busfahren“ ist irreführend, weil am Ende zahlt immer die Stadt und somit der Steuerzahler. Wie hat Calvin Coolidge einmal gesagt: „Nichts ist leichter, als öffentliche Gelder auszugeben. Sie scheinen niemandem zu gehören.“ Das scheinen einige tatsächlich zu glauben - wir sehen es anders: Wir als FDP wertschätzen die Steuerzahler. Daraus ergibt sich eine Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern in Walldorf und diese nehmen wir sehr ernst!