Soziale Entwicklung in Walldorf
Im Gemeinderat wurde der Bericht über die soziale Entwicklung 2025 in Walldorf vorgestellt. Hierzu hielt unsere Fraktionsvorsitzende Paula Glogowski folgende Stellungnahme:
„Der Bericht über die sozialen Entwicklungen 2025 zeigt, dass wir in Walldorf in vielen Bereichen gut aufgestellt sind, gleichzeitig stehen wir aber aber auch vor Herausforderungen, die uns in den kommenden Jahren weiter beschäftigen werden.
Eine erste Herausforderung bleibt weiterhin der angespannte Wohnungsmarkt in Walldorf. Steigende Mieten und hohe Baukosten erschweren es zunehmend, bezahlbaren Wohnraum zu finden - Das betrifft nicht nur einkommensschwächere Haushalte, sondern auch Teile der Mittelschicht. Auch wenn wir in Walldorf in den kommenden Jahren weiteren geförderten Wohnraum schaffen werden, wie in der Heidelberger Straße/Hebelstraße und der Wieslocher Straße, werden wir nicht alle Anfragen bedienen können. Neben dem Wohnraum sind es zudem die alltäglichen Kosten wie Lebensmittel, Strom und Sprit, die viele Menschen vor enorme Belastungen stellen. Mit dem städtischen Sozialticket, dem Walldorfpass und Vereinen wie der „Kleiderstube“ und der „Tafel“ gibt es Angebote, um hier etwas zu entlasten, doch das kann die Probleme nur leicht abfedern. Diese Entwicklung ist sehr kritisch zu sehen und unser Handlungsspielraum auf kommunaler Ebene ist in dieser Hinsicht leider sehr begrenzt.
Ein weiteres wachsendes Thema ist die Vereinsamung im Alter. Der Sozialbericht spricht von zunehmend komplexen Fällen, die intensive Betreuung erfordern. Das ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine gesundheitliche Herausforderung mit langfristigen Auswirkungen auf das Gemeinwesen. Es kommt nicht mehr so häufig vor, dass mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach leben und auch Konzepte wie das Mehrgenerationenhaus in Walldorf bleiben die Ausnahme. Viele ältere Menschen leben daher alleine und sind mit Vereinsamung konfrontiert. Danken möchten wir an dieser Stelle der IAV-Stelle hier im Rathaus sowie den vielen Vereinen, der Generationenbrücke, unseren Kirchen, dem Walldorfer Mittagstisch und allen Akteuren in Walldorf, die durch ihre Aktionen Angebote schaffen, um Menschen in ihrer Einsamkeit nicht alleine zu lassen. Dieses Engagement ist von unschätzbarem Wert für unser Miteinander in Walldorf.
Eine anhaltende Aufgabe bleibt auch die Integration und Unterbringung von Geflüchteten. Auch 2025 haben wieder viele Menschen Schutz in Deutschland gesucht. Die kommunale Planbarkeit bleibt dabei durch internationale Krisen sehr schwer. Alle Kommunen, auch Walldorf, stehen hier weiterhin unter großem organisatorischem und - auch wenn uns das zum Glück weniger betrifft - finanziellem Druck. Auch hier sind es neben dem Integrationsmanagement im Rathaus auch Vereine, allen voran das Begegnungshaus, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit eine große Stütze bei dieser Aufgabe sind und für Menschen, die hier bei uns Schutz suchen eine verlässliche Anlaufstelle sind. Danke für diese wertvolle Arbeit!
Auch im Bereich der Kinderbetreuung sehen wir Belastungen, etwa durch die deutliche Beitragserhöhung des Rhein-Neckar-Kreises für Kindertagespflege. Uns wäre es wichtig, dass Walldorf dieses Thema angeht und überprüft, wie man die Tageseltern bzw. die Familien, die sich für diese Betreuungsform entscheiden, entlasten könnte.
Auch die Anforderungen an Schulsozialarbeit steigen, so sagt der Bericht, dass Schülerinnen und Schüler deutlich länger begleitet werden müssen, wodurch die qualitative Beratung deutlich zunimmt. Dieser Trend zeigt sich auch in den Ausführungen der psychologischen Beratungsstelle wieder, der von einem Anstieg der gestörten sozial-emotionale Entwicklung bei Kindern spricht und auf Probleme durch „online-Medien“ und die Nutzung von KI verweist.
Bei all diesen Herausforderungen zeigt der Bericht aber auch viele Stärken unserer Stadt:
Besonders hervorzuheben ist das breite und gut funktionierende Netz sozialer Angebote. Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, freien Trägern und Ehrenamt wird im Bericht ausdrücklich sehr positiv dargestellt.
Auch im Bereich Bildung und Jugend zeigt sich eine gut gewachsene Struktur in Walldorf. Die Schulsozialarbeit ist flächendeckend vorhanden, erreicht viele Schülerinnen und Schüler und wird durch vielfältige Projekte ergänzt. Und auch das umfangreiche Angebot an Ferien- und Betreuungsprogrammen ist ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur sozialen Teilhabe.
Wir sind in Walldorf also insgesamt gut aufgestellt, verfügen über starke soziale Strukturen und ein funktionierendes Netzwerk. Gleichzeitig erfordern insbesondere der Wohnungsmarkt, die demografische Entwicklung und auch globale Krisen eine vorausschauende und nachhaltige Sozialpolitik. Den Bericht sehen wir daher nicht nur als eine Bestandsaufnahme, sondern als ein wichtiges Instrument, um die bestehenden Strukturen nachhaltig zu sichern und auch in den kommenden Jahren gezielt weiterzuentwickeln. Vielen Dank.“