Waldbegehung des Gemeinderats
Am Samstag, den 20. Juni, nahm der Gemeinderat an einer Waldbegehung teil. Gemeinsam mit unserem Förster Achim Freund und dem Forstbezirksleiter des Forstbetriebs Kraichgau-Rheintal, Philipp Schweigler, erhielten wir einen umfassenden Einblick in den aktuellen Zustand unseres Stadtwaldes sowie die Herausforderungen, vor denen die Forstwirtschaft steht.
Deutlich wurde, dass die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre den Wald zunehmend belastet. Besonders die steigende Waldbrandgefahr bereitet uns große Sorgen, gerade bei den Temperaturen, die wir aktuell erleben. Bereits eine achtlos weggeworfene Zigarette kann in den ausgetrockneten Beständen einen Brand auslösen, der sich aufgrund der häufigeren Hitzeperioden deutlich schneller ausbreitet als noch vor einigen Jahren.
Um auf solche Situationen vorbereitet zu sein, wurden verschiedene Maßnahmen zur Löschwasserversorgung umgesetzt. Unsere Feuerwehr verfügt über einen 10.000-Liter-Abrollbehälter sowie zwei mobile 5.000-Liter-Faltbehälter. Da diese Wassermengen bei größeren Waldbränden nicht ausreichen, wurden im Wald Brunnen angelegt, aus denen die Faltbehälter kontinuierlich nachgefüllt werden können. So kann im Ernstfall dauerhaft Löschwasser bereitgestellt werden.
Auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Baumbestand sind leider deutlich sichtbar. Nicht nur Kiefern, sondern zunehmend auch Laubbäume, insbesondere Buchen, leiden unter der Trockenheit. Viele Bäume verlieren Äste in ihren Kronen und bilden weiter unten neue Triebe. Langfristig wird sich daher die Zusammensetzung unseres Waldes verändern müssen. So werden beispielsweise trockenheitsresistentere Baumarten wie die Schwarzkiefer künftig eine größere Rolle spielen, während unsere heimischen Kiefern zusätzlich stark durch den Halbparasiten Mistel geschwächt werden.
Wir sprachen bei der Begehung auch über den Einsatz des Harvesters. Immer wieder wird kritisiert, dass diese Maschinen den Waldboden beschädigen. Tatsache ist: Ja, für Waldboden ist er nicht gut. In Wäldern, deren Boden sandig ist, richtet er allerdings weniger Schäden an. Der Einsatz des Harvesters erfolgt ausschließlich auf den sogenannten Rückegassen, die lediglich rund zehn Prozent der Waldfläche ausmachen und in etwa 25 Metern Abstand zueinander angelegt sind. Mit seinem rund zwölf Meter langen Greifarm kann der Harvester die gefällten Bäume aus dem Bestand heben und zu den Rückegassen transportieren. Dünnere Stämme werden weiterhin mit Kaltblütern aus dem Wald geholt, stärkere Stämme mithilfe einer Seilwinde an die Rückegassen gezogen. So wird versucht, die Belastung des Waldbodens möglichst gering zu halten.
Ein weiteres Thema waren sogenannte Neophyten, also invasive Pflanzenarten in unseren Wäldern. Besonders der Götterbaum breitet sich stark aus und verdrängt heimische Arten, weshalb er konsequent bekämpft werden sollte. Die Kermesbeere hingegen gilt inzwischen ebenso wie die Traubenkirsche als so weit verbreitet, dass eine flächendeckende Bekämpfung laut dem Forst nicht mehr sinnvoll ist. Hier wird nur noch Punktuell gegen die Ausbreitung vorgegangen, dort wo es notwendig und sinnvoll erscheint.
Interessante Einblicke bot außerdem ein Versuchsfeld der forstwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsanstalt. Dort werden junge Eichen aus selbst gesammelten Eicheln angezogen. Die Bäumchen entwickeln sich bislang sehr gut. Vermutet wird, dass die dort reichlich vorhandenen Kermesbeeren den jungen Eichen durch ihre Beschattung in den heißen Sommermonaten sogar einen gewissen Schutz vor extremer Sonneneinstrahlung bieten.
Langfristiges Ziel der Waldbewirtschaftung ist der Aufbau eines stabilen und klimaresilienten Mischwaldes. Eine größere Vielfalt an Baumarten soll dazu beitragen, den Wald widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit, Hitze und Schädlingen zu machen.
Die Waldbegehung hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Aufgaben einer modernen Forstwirtschaft sind. Der Schutz unseres Waldes, die Anpassung an den Klimawandel und eine nachhaltige Bewirtschaftung bleiben wichtige Zukunftsaufgaben, die wir als FDP-Fraktion weiterhin aufmerksam begleiten und unterstützen werden.